Sonntag, 12. Oktober 2008 11:45 admin

Der Bayrische Geograph

Der Bayrische Geograph und seine Völkertafel

 

Die Quelle des Bayrischen Geographen habe ich von folgender Seite kopiert:

 

wikipedia

 

Teil 1

 

Descriptio civitatum et regionum ad septentrionalem plagam Danubii.
(1) Isti sunt qui propinquiores resident finibus Danaorum (
Dänen), quos vocant Nortabtrezi (Abodriten), ubi regio, in qua sunt civitates LIII per duces suos partite.
(2) Uuilci (
Wilzen), in qua civitates XCV et regiones IIII.
(3) Linaa (
Linonen) est populus, qui habet civitates VII.
(4-6) Prope illis resident, quos vocant Bethenici et Smeldingon et Morizani, qui habent civitates XI.
(7) Iuxta illos sunt, qui vocantur Hehfeldi (
Heveller), qui habent civitates VIII.
(8) Iuxta illos est regio, que vocatur Surbi (
Sorben), in qua regione plures sunt, que habent civitates L.
(9) Iuxta illos sunt quos vocant Talaminzi (
Daleminzier), qui habent civitates XIII.
(10) Beheimare (
Böhmen), in qua sunt civitates XV.
(11) Marharii (
Mährer) habent civitates XL.
(12) Uulgarii regio est inmensa et populus multus habens civitates V, eo quod mutitudo magna ex eis sit et non sit eis opus civitates habere.
(13) Est populus quem vocant Merehanos, ipsi habent civitates XXX.
Iste sunt regiones, que terminant in finibus nostris.

Teil 2

Isti sunt, qui iuxta istorum fines resident.
(14) Osterabtrezi, in qua civitates plus quam C sunt.
(15) Miloxi, in qua civitates LXVII.
(16) Phesnuzi habent civitates LXX.
(17) Thadesi plus quam CC urbes habent.
(18) Glopeani, in qua civitates CCCC aut eo amplius.
(19) Zuireani habent civitates CCCXXV.
(20) Busani habent civitates CCXXXI.
(21) Sittici regio inmensa populis et urbibus munitissimis.
(22) Stadici, in qua civitates DXVI populousque infinitus.
(23) Sebbirozi habent civitates XC.
(24) Unlizi populus multus civitates CCCCXVIII.
(25) Neriuani habent civitates LXXVIII.
(26) Attorozi habent civitates CXLVIII, populus ferocissimus.
(27) Eptaradici habent civitates CCLXIII.
(28) Uuilerozi habent civitates CLXXX.
(29) Zabrozi habent civitates CCXII.
(30) Znetalici habent civitates LXXIIII.
(31) Aturezani habent civitates CIIII.
(32) Chozirozi habent civitates CCL.
(33)
Lendizi habent civitates XCVIII.
(34) Thafnezi habent civitates CCLVII.
(35) Zeriuani, quod tantum est regnum, ut ex eo cuncte genetes Sclauorum exorte sint et originem, sicut affirmant, ducant.
(36) Prissani civitates LXX.
(37) Uelunzani civitates LXX.
(38) Bruzi plus est undique quam de Enisa ad Rhenum
(39) Uuizunbeire
(40) Caziri civitates C.
(41) Ruzzi.
(42) Forsderen.
(43) Liudi.
(44) Fresiti.
(45) Serauici.
(46) Lucolane.
(47) Ungare.
(48) Uuislane.
(49) Sleenzane civitates XV.
(50) Lunsizi (
Lusitzi) civitates XXX.
(51) Dadosesani civitates XX.
(52) Milzane (
Milzener) civitates XXX.
(53) Besunzane (
Besunzane) civitates II.
(54) Uerizane civitates X.
(55) Fraganeo civitates XL.
(56) Lupiglaa civitates XXX.
(57) Opolini civitates XX.
(58) Golensizi civitates V.

Diese Völkerreihe stellt die Erstnennung polnischer Orts- und Siedlungsnamen in einer Lateinquelle des Frühmittelalters dar. Die Entstehung dieser Völkertafel wird noch heute konträr diskutiert und ist letztlich nicht gesichert. Wahrscheinlich ist unterdessen, für die Entstehung einen Zeitrahmen bis zum Ende des 9. Jahrhunderts anzunehmen, da es im Hinblick auf die Völkernennungen eine bemerkenswerte Parallelquelle gibt. Die um 900 entstandene und unter „Orosius-Bearbeitung“ besser bekannte Völkertafel, die für den englischen König Alfred geschrieben wurde, führt mit den Abodriten, Wilzen, Heveller, Sorben und Daleminziern elbslawische Völkernamen auf, die zum Teil erst in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts in anderen lateinischen Quellen genannt werden. So werden die Daleminzier, die den Sachsen im 10. Jahrhundert noch häufiger Probleme bereiten sollten, erstmalig im Jahre 856 in den Fuldaer Annalen erwähnt.

Das Großmährische Reich, ebenfalls genannt hier, erlebte gleichsam zum Ende des 9. Jahrhunderts eine Blüte, trug wohl entscheidend zur Christianisierung der Böhmen (Tschechen) bei, ging aber unterdessen bereits 907 unter einem gewaltigen Ungarnsturm unter. Daher kann sie kaum später als 907 entstanden sein.

Ich datiere diese Quelle mit guten Gründen in die Regierungszeit Arnulfs von Kärnten, der 887 König des ostfränkischen Reiches wurde. Diese Quelle gibt einen hervorragenden Einblick in die allmähliche Horizonterweiterung des lateinischen Westens und bildet zeitgleich in einem Momentausschnitt slawische Völker ab, die sich zuvor in Ethnogenesen neu gebildet haben müssen (Heveller) oder später zu neuen Völkerverbindungen wuchsen (Redarier). Sie muss meines Erachtens zwischen 887 und 892 entstanden sein, da bis zu diesem Zeitpunkt die Ungarn als Volk noch nicht so stark in das Bewusstsein der ostfränkischen Quellen gedrungen waren und somit in der Völkertafel nur am Rande aufgelistet sind. Erst 892 sorgte ein verheerender Ungarnsturm dafür, dass sich den ostfränkischen Akteuren eine neue heidnische Macht aus dem Osten  ankündigte, die bis zur Schlacht am Lechfeld 955 (bei Augsburg) die Geschicke der fränkischen Reiche mitbestimmen sollte.

Der Entstehungsort der Schrift war vermutlich das St. Emmeram Kloster zu Regensburg, in deren Nähe hundert Jahre später auch eine Abschrift gefunden wurde. Vom Schriftbefund handelte es sich möglicherweise um einen Schreiber aus Süddeutschland, der am Hof Arnulfs für den König schrieb. Und somit kommen Arnulfs Kanzleileiter Aspert sowie seine Notare Engilpero und Ernust in Betracht, deren Wurzeln sich nach Süddeutschland verfolgen lassen.

Zu den im zweiten Teil genannten polnische Ortsnamen wie Oppeln lässt sich nicht viel sagen, außer, dass die Zahl „XX“ für zwanzig steht und wohl zwanzig Siedlungspunkte meint. Diese Zählungen der Quelle machen der Forschung noch immer große Probleme, weil man nicht genau weiß, was sie bezeichnen und aus welchem Zweck sie aufgezeichnet worden sind.

Da nach meinem Wissen aus archäologischen Befunden heraus noch immer nicht gesichert ist, inwieweit der Bau von Burgen schon im 9. Jahrhundert im Osten Europas vorangeschritten war, kann man nicht sagen, dass es sich um Burgen handelte. Diese Frage muss so offen bleiben wie der gesamte Zweck dieser Schrift. Wir wissen also immer noch nicht genau, warum diese Informationen so zusammen getragen wurden, wie sie zusammen getragen wurden. Es bleibt polnischen Lokalhistorikern überlassen, die Identifikation einiger für mich unklarer Nennungen zu identifizieren.

Du kannst den Kommentaren zu diesem Eintrag durch den RSS-Feed folgen. Kommentieren ist zur Zeit nicht möglich, aber du kannst einen Trackback von deiner eigenen Seite machen.

Allgemeines

Kommentare sind (zur Zeit) nicht möglich.