Montag, 11. Mai 2009 05:52 admin

Boleslaw Chrobry

Als Mieszko I. am 25. Mai 992 starb, hinterließ er eine gefestigte Herrschaft aber auch mehrere Erben, die sich um die Nachfolge stritten. Boleslaw, der Sohn aus der Ehe mit Dubrawa, vertrieb seine Schwiegermutter Oda und deren Söhne. Die Konsolidierung von Herrscherdynastien bedurfte im Mittelalter häufig drei aufeinander folgender Generationen. Der Tod eines Herrschers und die Nachfolgefrage einer jungen Dynastie ließen häufig Ansprüche aus verwandtschaftlichen Linien der Herrscherfamilie aufkommen, die zu feindlichen Auseinandersetzungen und zur Schwächung der Herrschaft selbst führen konnte. Und auch die Geburt mindestens eines männlichen Nachfolgers gehörte zu den bedeutenden Fragen einer Herrschaftskonsolidierung im Mittelalter.

Mieszko I. indes hatte möglicherweise kurz vor seinem Tod versucht, seinen Sohn Boleslaw von der Erbfolge auszuschließen. Die Gründe dafür sind unklar. Dieses Unterfangen wird aus einer Urkundennotiz mit dem Namen „Dagome Iudex“ interpretiert, die uns nicht im Original vorliegt und erst von einem Kopisten und Mönch in den Jahren 1086/1087 notiert wurde. In der polnischen Forschung ist diese Quelle auch als „Odas Schenkung“ bekannt, denn im Prinzip geht es hier um die Beschreibung des Herrschaftsgebiets von Dagome (weite Teile der Forschung sehen hier eine Ableitung aus dem Lateinischen – Ego Mesco dux = Ich, Herzog Mieszko…) und seiner zweiten Frau Oda (Oda von Haldensleben). Es heißt hier in dem Regest:

 

„Auch sollen in einem anderen Buch aus der Zeit des Papstes Johannes XV. der Herr Dagome und die Herrin Ote, ebenso wie ihre Söhne Misico und Lambertus – ich weiß nicht, welchem Stamm diese Leute angehören, glaube aber, dass es sich um Sarden handelt, da jene stets von drei Herren regiert werden –, dem Heiligen Peter einen ganzen Staat namens Schinesghe geschenkt haben, mit allen Ländern, die sich entlang seiner Grenzen erstrecken und einerseits das Lange Meer berühren, entlang Preußens bis zu einem Ort namens Rus reichen und von dort weiter bis Krakau und direkt am Fluss Oder entlang bis zu einem Ort namens Alemure, und von diesem Alemura weiter bis zum Land der Milzen und von dessen Grenze bis zum Fluss Oder, dessen Lauf sie bis zur oben erwähnten Stadt Schinesghe folgen.“

 

In dieser Quelle wird eine Schenkung des Herrschaftsgebiets an den Apostolischen Stuhl erwähnt. Einige Historiker haben die These vertreten, dass diese Schenkung bewirken sollte, dass die unmittelbare und wohl schon anders geregelte Erbfolge doch noch zugunsten der minderjährigen Kinder aus zweiter Ehe mit Oda ausfiel. Wenngleich wir keine Quellen für den konkreten Fall hier besitzen, war es nun ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Erstgeborene (hier Boleslaw) bei Erreichen des waffenfähigen Alters die Erbfolge zugesichert bekam. Wir dürfen also mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Boleslaw von Mieszko I. bereits die Erbfolge zugesichert bekommen hatte. Es ist mit der neuen Heirat Mieszkos I. also durchaus möglich, dass sich damit neue Perspektiven aufzeigten und Konflikte mit Boleslaw entstanden.

Ich neige hinsichtlich der Quellenlage aber eher zu der Ansicht, dass hier vor allem kirchenorganisatorische Perspektiven geregelt werden sollten, denn genau zum Jahrtausendwechsel wurden diese auch realisiert. Dabei ging es auch um die Stellung Gnesens, das nun Erzbistum wurde und damit den ersten Bischofssitz Polens, nämlich in Posen, den Rang abtrat. Krakau, Kolberg, Breslau und Posen wurden zu Suffraganbistümern erklärt und waren damit nachrangig. Dass der lateinische Name für Gnesen, „Schinesghe“, in der Quelle erwähnt  wird, spricht für diese Planungen.

In den ersten Jahren der Herrschaft erfahren wir unterdessen nur wenig über Boleslaw. Er beteiligte sich an einigen Zügen der Sachsen gegen die heidnischen Liutizen, war aber womöglich mehr mit der Konsolidierung seiner Herrschaft beschäftigt.

Im Mittelpunkt der schreibenden Zeitgenossen rückte Boleslaw erst wieder, als ein prächtiger Tross rund um den neuen Kaiser Otto III. sich Richtung Polen aufmachte. Was war geschehen?

Im böhmischen Reich tobte im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts ein Machtkampf zweier Familien – der Slavnikiden und der Premysliden. Der Slavnikide Wojciech, auf den Namen Adalbert getauft und zweiter Bischof von Prag, litt unter diesen Konflikten und hielt sich lieber am Hof Ottos III. in Rom auf. Als Lehrer des noch jungen Kindskönig muss er einen gewaltigen Einfluss auf diesen ausgeübt haben. Als der böhmische Herzog Boleslaw II., selbst Premyslide, die Slavnikiden 995 endgültig beseitigte, musste Adalbert seinen Bischofsstuhl räumen und ging als Missionar zu den heidnischen Prussen, den Vorfahren der späteren Preußen. Hier erlitt er 997 bei Elblag (Elbing) den Märtyrertod. Der Piast Boleslaw sah es als seine christliche Pflicht an, den Leichnam Adalberts auszulösen und ließ die Gebeine nach Gnesen überführen, wo Adalbert bestattet werden konnte.

Otto III., der seinem früheren Lehrer viel zu verdanken hatte und asketische Neigungen zeigte, nahm diese Überführung und Bestattung zum Anlass, nach Gnesen zu einer Wallfahrt aufzubrechen. Im März des Jahres 1000 machte sich ein imposanter Zug von Rom auf dem Weg nach Gnesen auf. Der Kaiser Otto III. erhielt von Boleslaw bei Bunzlau (Niederschlesien) weiteres Geleit und wurde schließlich nach Gnesen geführt.

Die Symbolik eines solchen Kaiserzugs wird man nicht unterschätzen dürfen, schließlich wurde die Ankunft des Kaisers von Ort zu Ort meist lange vorher vorbereitet und angekündigt. Der „Herrscheradventus“ war eine Inszenierung für sich, und es war nicht selten, dass Kaiser im Mittelalter solche Züge nutzten, um ihr Image als Wohltäter zu zeigen. Wir wissen aus der Zeit Konrads II. (1024-1039) beispielsweise, dass Bettler in Städten, die auf der Reiseroute des Königs oder Kaisers waren, vorher ausgesucht wurden, um ihnen dann vor der Zeugenschaft einer ganzen Stadt die Mildtätigkeit des Königs oder Kaisers zukommen zu lassen. Solche Inszenierungen werden zur Zeit verstärkt von der Forschung hinterfragt, schließlich war der König und Kaiser in einem großen Reich eher eine abwesende als anwesende Größe. Die scheinbare Spontanität solcher Inszenierungen verfehlte selten ihre Wirkung.

Otto III., der sein Herrschersiegel mit einer programmatischen Devise versehen hatte und hier die „renovatio imperii romanorum“ – „die Erneuerung des römischen Reiches“ forderte, ließ sich in Gnesen huldigen, übergab Boleslaw zugleich eine Nachbildung der Heiligen Lanze für Boleslaws christliche Herrschaft und begründete damit eine Rangerhöhung, die ihm in den Augen vieler Zeitgenossen nicht zustand. Der Chronist Thietmar von Merseburg notiert kritisch, dass Otto III. mit dieser Übergabe einen „tributarius“ (also einen Untergebenen) zum „dominus“ gemacht habe, stand die Heilige Lanze doch für einen klaren christlichen Herrschaftsanspruch von Königen. Ein Evangeliar (ein Evangelienbuch) zum Akt von Gnesen zeigt indes deutlich, was Otto III. wirklich mit dieser Übergabe bezweckte. Es zeigt den herrschenden Otto III. auf dem Thron, während vier allegorische Frauen mit Namen „Roma“, „Gallia“, „Germania“ und „Sclavinia“ ihm im Bild huldigen. Diese Anknüpfung an das Römische Reich sollte verdeutlichen, dass die Überlegenheit des Christentums sich nun in einem Weltreich widerspiegelte, der römische Kaiser der Stellvertreter Christi auf Erden war.

Anspruch und Wirklichkeit klafften auch schon früher mitunter weit auseinander – Otto III. verstarb viel zu früh im Januar 1002 und hinterließ als kinderloser Kaiser ein Reich, dass aufgrund eines Nachfolgekonfliktes zusammenzubrechen drohte. Im Verlaufe dieses Konflikts konnte sich die bayrische Linie der Ottonen, die auf den Bruder Ottos des Großen Heinrich zurück ging, durchsetzen. Heinrich II. wurde Ottos III. Nachfolger und hatte nun bis zu seinem Tod im Jahre 1024 in Boleslaw einen ständigen Feind. Wie sollte man eine in sich zweifelhafte und unangemessene Rangerhöhung rückgängig machen? Heinrich II. war nicht gewillt, diesem piastischen Emporkömmling freien Lauf zu lassen, während Boleslaw Zeit seines Lebens diesen Anspruch aufrecht erhielt. „Nomen est omen.“

Die polnische Geschichtsforschung hat im Akt zu Gnesen lange Zeit die eigentliche Legitimation des polnischen Staates gesehen. Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Eine Staatsform, wie wir sie uns heute denken, gab es zu dieser Zeit noch nicht. Die Könige und Kaiser reisten umher, hatten aber noch keinen wirklichen Staatsaufbau, der personenunabhängig funktionierte. Sicher ist unterdessen, dass der Akt zu Gnesen sowie Boleslaws Wirken wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich das Christentum in Polen weiter und intensiver ausbreitete. Brun von Querfurt, Missionar und Chronist, hat in mehreren Briefen (zwischen 1007-1009 n. Chr.) an Heinrich II. dafür geworben, dass dieser seinen Zorn auf Boleslaw fallen lasse. Immerhin gehe es doch um die erfolgreiche Mission. Polen war an den Peripherien noch immer von heidnischen Stämmen geprägt. Auf den Kaiser Heinrich II. machten diese Briefe indes wenig Eindruck. Boleslaw hielt sich hartnäckig an der Herrschaft und konsolidierte diese nachhaltig. Seine Leistung besteht darin, dass er das Christentum als Legitimation seiner persönlichen Herrschaft nutzte, zugleich aber die „Sclavinia“ als neuen Herrschaftsraum etablierte und damit einen Grundstein für eine spätere Nationenbildung legte.

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Sonntag, 23. November 2008 17:22 admin

Mieszko I. – Die Piasten

Mieszko I., wohl um 935 n. Christus geboren und Sohn des Fürsten Siemomysl aus der Piasten-Dynastie, ist der eigentlich erste polnische Herrscher, der in das Blickfeld des christlich-lateinischen Westens geriet. Während zwischen Elbe und Oder im 10. Jahrhundert unterschiedliche elbslawische Stämme wie die Abodriten, Redarier, Heveller, Daleminzier, Lusizen und auch Sorben in unmittelbarer Nachbarschaft zur sächsisch-fränkischen Herrschaft noch heidnische Kulte zelebrierten, verbreitete sich das Christentum leise und allmählich in Böhmen und Polen. Diese Entwicklungen wären ohne die herausragenden Persönlichkeiten des heiligen Wenzel als auch Mieszko I. undenkbar gewesen. Religion und Politik stellten im ganzen Mittelalter eine untrennbare Einheit dar und waren mit unterschiedlichen Machtschwerpunkten die eigentlichen Impulse jeder Herrschaft.

Der böhmische Christenfürst Wenzel, der 935 n. Chr. wegen seiner Bemühungen um die Christianisierung der Böhmen von seinem Bruder Boleslaw I. getötet wurde, hatte entscheidenden Anteil daran, dass eine nachhaltige Christianisierung bei den slawischen Völkern jenseits der Elbe überhaupt möglich wurde. Und wenn in diesem Zusammenhang der Christianisierung auch immer an das Großmährische Reich im 9. Jahrhundert erinnert wird, das dann 907 durch den Ungarnsturm zerstört wurde, so ist doch heute gesicherte Erkenntnis, dass mit dem Martyrium Wenzels und der wenig später einsetzenden Reliquienverehrung eine neue Qualität der christlichen Mission in slawisch-östlichen Gebieten entstand . Mögen reaktionäre slawisch-heidnische Stämme noch so sehr das „Kyrie Eleison“ bei Feldpredigten verballhornt haben, wie ein christlicher Berichterstatter klagte. Der Tod Wenzels kennzeichnet einen Wendepunkt der südosteuropäischen Geschichte des Mittelalters.

Mit Wenzel verbindet sich auch das Christentum der Polen, heiratete Mieszko I. doch 965 mit Dubrawka die Tochter des Wenzelmörders Boleslaw I., der in tiefer Reue zwanzig Jahre später erheblichen Anteil am Reliquienkult um seinen getöteten Bruder hatte. Es verwundert somit auch nicht, wenn Mieszko I. sich nur ein Jahr später im Jahre 966 taufen ließ. Wenzels Verdienst, im heidnischen Machtumfeld der Ungarn ein klares Bekenntnis zum Christentum abzugeben, wirkte nach und war auch Vorbild des Wirkens des heiligen Adalbert, der Ende des 10. Jahrhunderts bei den heidnischen Prußen in der Nähe des heutigen Eblag (Elbing) den Märtyrertod fand.

Von Mieszko I. lesen wir erstmals zeitnahe etwas beim sächsischen Chronisten Widukind von Corvey, der zwischen 967 und 973 die Sachsengeschichte verfasste. Im Zusammenhang mit dem Schicksal des verstoßenen sächsischen Adeligen Wichmann d. Jüngeren, der sich um sein Erbe betrogen fühlte und zwischen 950 und 970 in Koalition mit elbslawischen Nachbarstämmen gegen Teile seiner sächsischen Verwandtschaft (insbesondere gegen seinen Onkel Hermann Billung) rebellierte, schreibt Widukind in Buch 3, Kapitel 66 (Übersetzung nicht wörtlich):

„Markgraf Gero aber dachte nun an jenem Schwur und gab Wichmann, als er ihn für schuldig befand und zu Recht angeklagt sah, den Barbaren wieder zurück. Diese nahmen ihn freudig auf, und so bedrängten sie weiter entfernte Barbarenstämme. Den König Mieszko, unter dessen Gewalt die Licicawiki genannten Slawen standen, besiegt er zweimal, tötete seinen Bruder und erzwang von ihm reiche Beute.“

Nicht ganz unparteiisch verfolgt der sächsische Geschichtsschreiber Widukind das Geschehen des Rebellen, für den er eine gewisse Sympathie nicht verhehlen kann. Als Mönch und christlicher Berichterstatter hat er für die heidnischen Elbslawen sonst nur den verachtenden Begriff „Barbaren“ übrig. Hier aber will Widukind mit der Beschreibung des Rebellen Wichmann die sächsische Kriegskunst hervorheben. Es zeigt sich ganz offen, dass es während der Herrschaft Ottos I. innerhalb des sächsischen Adels Konflikte gab, die die Bildung unterschiedlicher Koalitionen zur Folge hatte. Die Eskalation des Konflikts, in dem Mieszko I. nun auch durch die Tötung seines Bruders involviert wurde, schildert Widukind in dramatischen Worten. Er beschreibt die verzweifelte Lage Wichmanns folgendermaßen:

„Audiens autem Wichmannus urbem captam sociosque affllictos ad orientem versus iterum se paganis immersit, egitque cum Sclavis qui dicuntur Vuloini, quo modo Misacam amicum imperatoris bello lascesserent; quod eum minime latuit.”

Die Übersetzung lautet etwa:

„Als aber Wichmann hörte, die Burg sei erobert und seine Gefährten gefangengenommen, wandte er sich erneut nach Osten und reiste zu den Heiden, beriet sich mit den Slawen, die Vuloini heißen, als sie Mieszko, der Freund des Kaisers, bekriegen wollte, was diesem aber nicht verborgen blieb.“

Mieszko I. war laut Widukind ein Freund Ottos des Großen, der während dieses Konflikts im September 967 in Italien weilte und überhaupt nach seiner Kaiserkrönung am 2. Februar 962 immer weniger das nordalpine Reich aufsuchte. Die Härte und Brutalität, mit der Konflikte mitunter ausgetragen wurden, entsprach nicht dem eigentlichen Konfliktverhalten der Adeligen im 10. Jahrhundert. Die Milde (clementia) beispielsweise war eine Tugend des Herrschers, die christlichen Leitbildern wie Frieden und Vergebung verpflichtet war. Wichmann war allerdings zuvor von Otto I. immer wieder begnadigt worden, verspielte aber durch sein Querulantentum selbst letzte Freundschaften beim sächsischen Adel und wurde schließlich von dem Heer Mieszkos I. bei der Odeermündung  getötet.

Mieszko I. selbst konnte durch die Freundschaft mit dem Kaiser Otto I. ungehindert sein Machtzentrum um Gniezno (Gnesen) bis zum Lebuser Land ausweiten. So wurden die heidnischen Elbslawen zwischen Elbe und Oder nun von zwei christlichen Machtzentren in die Zange genommen, sammelten sich noch einmal im Jahre 983 im so genannten Liutizenaufstand, um dann allmählich wieder in Splitterstämme zu zerfallen. Wenngleich die vollständige Christianisierung der Elbslawen erst im 12. Jahrhundert gelang, so hat Europas Christentum auch dem ersten nennenswerten polnischen Fürsten Mieszko I., der 992 verstarb und seinem Sohn Boleslaw Chrobry sein Reich anvertraute, wichtige Impulse zur Christianisierung getragen. Wenn Thietmar von Merseburg zu Beginn des 11.Jahrhunderts in Bezug auf Boleslaw notiert, dass dieser seinem Vater Mieszko nicht das Wasser reichen könne (Fünftes Buch, Kapitel 9), so darf man dies getrost als tendenziös beiseite schieben, weil Boleslaws eigenmächtiges Verhalten und Persönlichkeit insgesamt in der sächsischen Geschichtsschreibung der Zeit Heinrichs II. als schlecht beurteilt wird. Ohne Mieszko I. wären die Polanen als Stamm und später die Polen kaum ins Geschichtsbild des Westens getreten, das zu dieser Zeit noch immer über das Schriftmonopol verfügte und somit Geschichte für uns erinnerbar festhielt.  

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Sonntag, 12. Oktober 2008 11:45 admin

Der Bayrische Geograph

Der Bayrische Geograph und seine Völkertafel

 

Die Quelle des Bayrischen Geographen habe ich von folgender Seite kopiert:

 

wikipedia

 

Teil 1

 

Descriptio civitatum et regionum ad septentrionalem plagam Danubii.
(1) Isti sunt qui propinquiores resident finibus Danaorum (
Dänen), quos vocant Nortabtrezi (Abodriten), ubi regio, in qua sunt civitates LIII per duces suos partite.
(2) Uuilci (
Wilzen), in qua civitates XCV et regiones IIII.
(3) Linaa (
Linonen) est populus, qui habet civitates VII.
(4-6) Prope illis resident, quos vocant Bethenici et Smeldingon et Morizani, qui habent civitates XI.
(7) Iuxta illos sunt, qui vocantur Hehfeldi (
Heveller), qui habent civitates VIII.
(8) Iuxta illos est regio, que vocatur Surbi (
Sorben), in qua regione plures sunt, que habent civitates L.
(9) Iuxta illos sunt quos vocant Talaminzi (
Daleminzier), qui habent civitates XIII.
(10) Beheimare (
Böhmen), in qua sunt civitates XV.
(11) Marharii (
Mährer) habent civitates XL.
(12) Uulgarii regio est inmensa et populus multus habens civitates V, eo quod mutitudo magna ex eis sit et non sit eis opus civitates habere.
(13) Est populus quem vocant Merehanos, ipsi habent civitates XXX.
Iste sunt regiones, que terminant in finibus nostris.

Teil 2

Isti sunt, qui iuxta istorum fines resident.
(14) Osterabtrezi, in qua civitates plus quam C sunt.
(15) Miloxi, in qua civitates LXVII.
(16) Phesnuzi habent civitates LXX.
(17) Thadesi plus quam CC urbes habent.
(18) Glopeani, in qua civitates CCCC aut eo amplius.
(19) Zuireani habent civitates CCCXXV.
(20) Busani habent civitates CCXXXI.
(21) Sittici regio inmensa populis et urbibus munitissimis.
(22) Stadici, in qua civitates DXVI populousque infinitus.
(23) Sebbirozi habent civitates XC.
(24) Unlizi populus multus civitates CCCCXVIII.
(25) Neriuani habent civitates LXXVIII.
(26) Attorozi habent civitates CXLVIII, populus ferocissimus.
(27) Eptaradici habent civitates CCLXIII.
(28) Uuilerozi habent civitates CLXXX.
(29) Zabrozi habent civitates CCXII.
(30) Znetalici habent civitates LXXIIII.
(31) Aturezani habent civitates CIIII.
(32) Chozirozi habent civitates CCL.
(33)
Lendizi habent civitates XCVIII.
(34) Thafnezi habent civitates CCLVII.
(35) Zeriuani, quod tantum est regnum, ut ex eo cuncte genetes Sclauorum exorte sint et originem, sicut affirmant, ducant.
(36) Prissani civitates LXX.
(37) Uelunzani civitates LXX.
(38) Bruzi plus est undique quam de Enisa ad Rhenum
(39) Uuizunbeire
(40) Caziri civitates C.
(41) Ruzzi.
(42) Forsderen.
(43) Liudi.
(44) Fresiti.
(45) Serauici.
(46) Lucolane.
(47) Ungare.
(48) Uuislane.
(49) Sleenzane civitates XV.
(50) Lunsizi (
Lusitzi) civitates XXX.
(51) Dadosesani civitates XX.
(52) Milzane (
Milzener) civitates XXX.
(53) Besunzane (
Besunzane) civitates II.
(54) Uerizane civitates X.
(55) Fraganeo civitates XL.
(56) Lupiglaa civitates XXX.
(57) Opolini civitates XX.
(58) Golensizi civitates V.

Diese Völkerreihe stellt die Erstnennung polnischer Orts- und Siedlungsnamen in einer Lateinquelle des Frühmittelalters dar. Die Entstehung dieser Völkertafel wird noch heute konträr diskutiert und ist letztlich nicht gesichert. Wahrscheinlich ist unterdessen, für die Entstehung einen Zeitrahmen bis zum Ende des 9. Jahrhunderts anzunehmen, da es im Hinblick auf die Völkernennungen eine bemerkenswerte Parallelquelle gibt. Die um 900 entstandene und unter „Orosius-Bearbeitung“ besser bekannte Völkertafel, die für den englischen König Alfred geschrieben wurde, führt mit den Abodriten, Wilzen, Heveller, Sorben und Daleminziern elbslawische Völkernamen auf, die zum Teil erst in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts in anderen lateinischen Quellen genannt werden. So werden die Daleminzier, die den Sachsen im 10. Jahrhundert noch häufiger Probleme bereiten sollten, erstmalig im Jahre 856 in den Fuldaer Annalen erwähnt.

Das Großmährische Reich, ebenfalls genannt hier, erlebte gleichsam zum Ende des 9. Jahrhunderts eine Blüte, trug wohl entscheidend zur Christianisierung der Böhmen (Tschechen) bei, ging aber unterdessen bereits 907 unter einem gewaltigen Ungarnsturm unter. Daher kann sie kaum später als 907 entstanden sein.

Ich datiere diese Quelle mit guten Gründen in die Regierungszeit Arnulfs von Kärnten, der 887 König des ostfränkischen Reiches wurde. Diese Quelle gibt einen hervorragenden Einblick in die allmähliche Horizonterweiterung des lateinischen Westens und bildet zeitgleich in einem Momentausschnitt slawische Völker ab, die sich zuvor in Ethnogenesen neu gebildet haben müssen (Heveller) oder später zu neuen Völkerverbindungen wuchsen (Redarier). Sie muss meines Erachtens zwischen 887 und 892 entstanden sein, da bis zu diesem Zeitpunkt die Ungarn als Volk noch nicht so stark in das Bewusstsein der ostfränkischen Quellen gedrungen waren und somit in der Völkertafel nur am Rande aufgelistet sind. Erst 892 sorgte ein verheerender Ungarnsturm dafür, dass sich den ostfränkischen Akteuren eine neue heidnische Macht aus dem Osten  ankündigte, die bis zur Schlacht am Lechfeld 955 (bei Augsburg) die Geschicke der fränkischen Reiche mitbestimmen sollte.

Der Entstehungsort der Schrift war vermutlich das St. Emmeram Kloster zu Regensburg, in deren Nähe hundert Jahre später auch eine Abschrift gefunden wurde. Vom Schriftbefund handelte es sich möglicherweise um einen Schreiber aus Süddeutschland, der am Hof Arnulfs für den König schrieb. Und somit kommen Arnulfs Kanzleileiter Aspert sowie seine Notare Engilpero und Ernust in Betracht, deren Wurzeln sich nach Süddeutschland verfolgen lassen.

Zu den im zweiten Teil genannten polnische Ortsnamen wie Oppeln lässt sich nicht viel sagen, außer, dass die Zahl „XX“ für zwanzig steht und wohl zwanzig Siedlungspunkte meint. Diese Zählungen der Quelle machen der Forschung noch immer große Probleme, weil man nicht genau weiß, was sie bezeichnen und aus welchem Zweck sie aufgezeichnet worden sind.

Da nach meinem Wissen aus archäologischen Befunden heraus noch immer nicht gesichert ist, inwieweit der Bau von Burgen schon im 9. Jahrhundert im Osten Europas vorangeschritten war, kann man nicht sagen, dass es sich um Burgen handelte. Diese Frage muss so offen bleiben wie der gesamte Zweck dieser Schrift. Wir wissen also immer noch nicht genau, warum diese Informationen so zusammen getragen wurden, wie sie zusammen getragen wurden. Es bleibt polnischen Lokalhistorikern überlassen, die Identifikation einiger für mich unklarer Nennungen zu identifizieren.

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Dienstag, 16. September 2008 12:54 admin

Christianisierung und erste Spuren der polnischen Geschichte

Christianisierung und erste Spuren der polnischen Geschichte

 

Europas mittelalterliche Geschichte ist die Geschichte des Christentums. Die Christianisierung Europas im Mittelalter vollzog sich in zeitlich unterschiedlichen Schüben. In der allmählichen Auflösung des Römischen Reiches und unter dem Eindruck der Völkerwanderung gab es unterschiedliche Entwicklungslinien mit regionalen Ausformungen. Polytheismus, also der Glaube an mehrere Götter, war keine Seltenheit. Die Germanen waren dabei kein einheitlicher Stamm. Sie waren ein höchst komplexes Gebilde von Stämmen, die sich sogar bis heute im föderativen Staat Deutschlands widerspiegeln.

Die Christianisierung vollzog sich dabei nicht konsequent nach einer geografischen Logik. Sie hatte ihr Epizentrum in Rom, breitete sich in das heutige Frankreich aus und schwappte im 8. Jahrhundert, beschleunigt durch irische Missionare wie Bonifatius, auf die Stämme der Friesen, Sachsen, Westfalen, Hessen,Thüringer und Bayern über. Unterstützt von den letzten Merowingern, der Vorläuferdynastie der Karolinger, kamen diese zu Beginn des 8. Jahrhunderts ins Land, um die christliche Mission voranzutreiben. Es gehört dabei noch immer zu einem besonderen Phänomen europäischer Geschichte, dass sich das Christentum in Irland im 4./5. Jahrhundert ganz besonders festigte und von hier später wieder auf den Kontinent ausstrahlte. Die europäische Christianisierung erhielt ihre Impulse also in einem gewissen Ausmaße aus der Peripherie.  

Es war unterdessen auch die Königsdynastie der Merowinger, die vom Ende des 5. Jahrhunderts bis zur Mitte des 8.Jahrhunderts die Christianisierung des kontinentalen Europas formte. Der merowingische Herrscher Chlodwig I. konvertierte nach erfolgreichen Schlachten Ende des 5.Jahrhunderts zum Christentum und ließ sich 497, 498, 499 oder 507 n. Christus vom fränkischen Bischof Remigius von Reims in der Kathedralkirche zu Reims taufen. Damit war die für die Verbreitung so wichtige Kombination von weltlicher Herrschaft und religiöser Stellvertretung auf Erden eingeleitet.

Das Christentum im antiken Rom war noch im 2. und 3. Jahrhundert von pazifistischen Strömungen geprägt. Christen desertierten im römischen Heer oder verweigerten den militärischen Dienst mit Hinweis auf ihren christlichen Glauben. Es war nicht zuletzt der Kirchenvater Augustinus, der im 4. bzw. 5. Jahrhundert nach Christus unter anderem mit seinem Werk „De civitate dei“  (Über den Gottesstaat) den ideologischen Grundstein für die christliche Erlaubnis zur Gewaltanwendung unter besonderen Umständen legte.

Flüsse, Gebirgsketten sowie andere natürliche Grenzen waren indes in der Geschichte häufig einfache Hindernisse für das schnelle Überschwappen bestimmter Kulturen und Strömungen. Das westliche Europa formte sich nun zur Mitte des 8. Jahrhunderts beinahe in ihren heutigen geografischen Strukturen aus. Karl der Große übernahm ab 768 n. Chr. als fränkischer König das Szepter und trieb die Christianisierung mit Gewalt voran. Er missionierte den letzten germanischen Stamm, die Sachsen unter Widukind, um 785. Sachsen umfasste zu diesem Zeitpunkt vor allem das heutige Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Elbe stellte damit im letzten Quartal des 8. Jahrhunderts einen natürlichen Grenzfluss dar, der den nun lateinisch christlichen Westen vom slawisch besiedelten heidnisch geprägten Osten trennte. Diese neue Ausdehnung bis an die Grenzen der Barbaren, wie die slawischen Nachbarstämme der Abodriten, Wilzen, Sorben jenseits der Elbe von christlichen Zeitgenossen genannt wurden, verursachte für das fränkisch-sächsische Reich bis weit in das 9. und 10. Jahrhundert immer wieder Gefechte mit den so genannten Elbslawen, weil die sich in ihrer Lebensweise bedroht fühlten und sich keineswegs von den Nachbarn unterdrücken lassen wollten. Interessanterweise gab es indes auch slawische Minderheiten westlich der Elbe, im Raum Celle beispielsweise. Die Slawen wurden hier Wenden genannt, sodass das heutige Wendland (Gorleben) namensgeschichtlich aus dieser Zeit herrührt. In Ostdeutschland haben sich schließlich bis heute Orte mit einer typisch slawischen Endung auf –ow (Teltow, Güstrow) erhalten. Wichtiger aber ist noch, dass sich der elbslawische Stamm der Sorben im Osten Brandenburgs bis heute seine eigene Kultur und Sprache bewahrt hat.

Karl der Große übernahm dann 789 n. Christus erstmalig gegen die elbslawischen Wilzen, Abodriten und Sorben einen großen Militärzug über die Elbe und hinterließ im östlichen Nachbarland eine bleibenden Eindruck, der sich nachhaltig auf die slawischen Sprachen auswirkte. Das polnische „król“ für König leitet sich von Karl dem Großen ab und fand als Bezeichnung für König in allen slawischen Sprachen eine linguistische Entsprechung. Die etwas nach 789 verfassten fränkischen Annalen notieren zum Zug Karls des Großen 789 folgendes:

 

„DCCLXXXVIIII. Inde iter permotum partibus Sclavaniae, quorum vocabulum est Wilze, Domino adiuvante; et una cum consilio Francorum et Saxonum perrexit Renum ad Coloniam transiens per Saxoniam, usque ad Albiam fluvium venit ibique duos pontes construxit, quorum uno ex utroque capite castellum ex ligno et terra aedificavit. Exinde promotus in ante, Domino largiente supradictos Sclavos sub suo dominio conlocavit. Et fuerunt cum eo in eodem exercitu Franci, Saxones; Frisiones autem navigio per Habola fluvium cum quibusdam Francis ad eum coniunxerunt. Fuerunt etiam Sclavi cum eo, quorum vocabula sunt Suurbi, nec non et Abotriti, quorum princeps fuit Witzan. Ibique obsides receptos, sacramenta conplurima, Domino perducente Franciam pervenit.“

 

Übersetzen kann man das in etwa so, wobei ich ausdrücklich betone, dass ich hier nicht streng wörtlich übersetze:

 

„Im Jahre 789 trat er (Karl der Große) mit Gottes Hilfe einen Heerszug gegen die Slawen an, die man Wilzen nennt. In Einmütigkeit mit den Franken und Sachsen überquerte er den Rhein bei Köln in Richtung Sachsen, überquerte dort die Elbe und ließ dabei zwei Brücken schlagen und auf der einen Seite einen Posten aus Holz und Erde erbauen, um dann mit den dazu stoßenden Friesen und Sachsen per Schiff auf der Havel entlang zu fahren.  Und so brachte er nicht nur die Sorben unter seine Botmäßigkeit, sondern auch die Abodriten mit ihrem Führer Witzan. Nachdem er einige Geiseln genommen hatte, kehrte er ins Frankenreich zurück.“

 

Die erste Begegnung des lateinischen und mittlerweile vollständig christlich geprägten Westens mit den slawischen Stämmen östlich der Elbe 789 hatte die Huldigung und Anerkennung der Macht Karls des Großen zur Folge. Und das Wort „król“ ging für immer in den slawischen Wortschatz ein. Nichtsdestotrotz kennzeichnete der lateinische Westen in zeitgenössischen Quellen die slawischen Stämme jenseits der Elbe und Oder noch lange als Barbaren. Etymologisch rührt der Begriff der Slawen möglicherweise von einem altslawischen Stamm „ slo/sla = Wasser“. Es gibt aber hierfür keine schlüssige Argumentation. Dass sich das Wort „Sklaven“ im Deutschen aber von Slawen abgeleitet hat, dürfte sich unter anderem daraus erklären, dass sich ein blühender Handel mit slawischen Sklaven im 9. und 10. Jahrhundert im karolingischen und später ottonischen Reich entwickelt hatte.  

Karl der Große sowie seine Berater sind an dieser Stelle aber noch zu erwähnen, weil sie wohl die größte Schriftrevolution der europäischen Geschichte einleiteten. Sie bildeten Menschen in Klosterschulen zur Schrift aus und leiteten sie nun an, jeden neuen Satz mit einem Großbuchstaben anzusetzen und jedes Satzende mit Punkt zu markieren. Bis dahin hatte man die Kleinschreibung in antiker Tradition fortgesetzt.

Die Schrifttätigkeit erreichte somit in der Karolingerzeit bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts eine Hochkonjunktur und bildete junge Mönche aus, die alte Lateinquellen neu abschrieben (man nennt diesen Vorgang „kopieren“!) und interpretierten. Und damit leiteten sie eine Entwicklung ein, die es überwiegend mündlich geprägten Gesellschaften des Frühen Mittelalters auf breiterer Basis ermöglichte, zeitbegrenzte Kenntnisstände und Lebensformen für spätere Generationen besser zu archivieren. Und somit dürfen wir noch heute von einer in der Staatsbibliothek München liegenden Handschrift profitieren, die uns im nächsten Blog eine erste Auskunft über Regionen und Städte des heutigen Polens überliefert.

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Montag, 15. September 2008 10:27 admin

Spuren der Geschichte Europas – Spuren der Geschichte Polens

Einführung

 

Wer über die Anfänge der polnischen Geschichte schreibt, hat zunächst ein Problem. Wann die Polen zu Polen wurden, sich als Volk eigenständig fühlten, kann wohl nicht mit einem einzigen historischen Datum beantwortet werden. Der Akt zu Gnesen um die Jahrtausendwende wird hierfür immer wieder gern angeführt. Die Zusammenkunft von Boleslaw Chrobry und Otto III. bei Gnesen wird aber bis heute konträr diskutiert und interpretiert. Die Frage bleibt: Kann ein Datum, eine historische Situation komplexe Entwicklungen von Völkern und Machtverhältnisse abbilden?

Faktenwissen ist wichtig. Aber Geschichte bedeutet über die Fakten hinaus immer auch die Auseinandersetzung mit Situationen, Traditionen und Interpretationen. Und Historiker sind angewiesen auf Überlieferungszufälle, die allgemein als Quellen bezeichnet werden. Wann, wo und wie etwas erhalten geblieben ist, hat ganz häufig mit Zufall zu tun. Die Bedeutung der Schrift war in früheren Zeiten eine andere. Dabei unterscheidet man Schriftquellen (Urkunden, Annalen, Briefe, Geschichtsschreibung etc.) von eher materiellen Sachquellen (archäologische Funde, Sachüberreste, etc.).

Wenn es im folgenden um die polnische Geschichte geht, dann fließen überwiegend Schriftquellen in die Darstellung ein. Als erzählende Quellen genießen sie in der Geschichtswissenschaft noch immer Priorität gegenüber den Sachquellen, obgleich auch diese nicht selten eine wertvolle Aussagekraft haben. Die vorhistorische Zeit muss hier demnach ausgeklammert bleiben. Diese kurze Einführung, so hoffe ich, macht allen verständlich, warum Geschichte stets spannend bleibt. Die Forschung stellt immer wieder neue Fragen an alte Quellen. Geschichte kann damit auch von jedem miterlebt werden. Die polnische Geschichte, die in Schriftquellen belegt ist, beginnt mit dem Mittelalter, das man zeitlich von 500-1500 n. Christus datiert. Als polnische Städte das erste Mal in einer lateinischen Schriftquelle Erwähnung fanden, haben sich ihre Bewohner allerdings ganz sicher noch nicht als Polen empfunden. Bevor aber die Quelle des so genannten Bayrischen Geografen, einem bis heute anonymen Verfasser des 9. Jahrhunderts, vorgestellt werden soll, möchte ich in einem folgenden Blog die Anfänge des europäischen Christentums kurz darstellen. Die Wurzeln Polens sind ohne die Christianisierung Europas undenkbar.

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Samstag, 13. September 2008 15:19 admin

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